Suchthilfe steht vor schwerwiegenden Veränderungen

Geschrieben am 16.02.2024
von Redaktion Emsblick

Caritas-Fachmann Günter Sandfort fordert Ausbau der Prävention



Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen (NLS) die Statistik für das Jahr 2022. Etwa 47.000 Menschen haben die Suchtberatungsstellen in Niedersachsen aufgesucht, was einer Steigerung von 2,8% im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Diese Entwicklung spiegelt sich ebenfalls bei der Caritas im Bistum Osnabrück wider. Im Jahr 2022 fanden mehr als 3.000 Menschen Unterstützung in den Beratungsstellen der Caritas in Bremen, Osnabrück und Meppen.

„In diesem Jahr werden große Herausforderungen auf die Suchthilfe zukommen. Wir rechnen mit der Legalisierung von Cannabis. Zudem kommen gerade völlig neue Substanzen mit hohem Suchtpotential auf den illegalen Markt. Prävention wird also wichtiger denn je!“, betont Günter Sandfort, Geschäftsführer der Fachkliniken für Suchthilfe im Diözesan-Caritasverband Osnabrück.

Cannabislegalisierung schafft neue Dynamik

Wenn Sandfort in die Zukunft blickt, prognostiziert er eine neue Dynamik, die in den vergangenen Zahlen nicht erfasst wird: „Wir rechnen damit, dass Cannabis in Kürze legal zugänglich wird. Eine Legalisierung bedeutet jedoch keinesfalls, dass die Substanz ungefährlich ist. Um mit den Nutzerinnen und Nutzern über die Gefahrenpotentiale zu sprechen, brauchen wir einen Ausbau der Präventionsangebote. Prävention muss so verfügbar werden wie Cannabis!“

Dies gilt umso mehr, da die Caritas-Suchtexperten in den letzten Wochen vermehrt Kontakt zu Betroffenen hatten, die neue, noch unbekannte Substanzen konsumiert haben. „Dabei handelt es sich um ein Rauschgift, das offenbar sehr schnell abhängig macht. Die Konsumenten, die zu uns kommen, haben Kreislaufbeschwerden und Panikattacken und sind sehr unruhig.“

Flächendeckendes Hilfeangebot erhalten

Die Forderung von Sandfort ist klar: „Wir können vor allem junge Menschen mit dieser Entwicklung nicht allein lassen. Daher muss das flächendeckende Angebot an Beratung und Behandlung erhalten bleiben und vor allem die Prävention gestärkt werden.“